Matsch und Gatsch
Beim „Trail del Cinghiale" geht es Ende Oktober in der nördlichen Toskana so richtig zur Sache – Pizza, Pasta, Rotwein inklusive. Angeboten werden Wettbewerbe über 20, 35, 50 und Kilometer. Höhenmeter fehlen dabei auch nicht.
(Egon Theiner) Es gibt im Spätherbst wohl kaum einen cooleren, emotionaleren und schmutzigeren Ultratrail als den Trail del Cinghiale in Palazzuolo sul Senio. Die Ortschaft liegt in der nördlichen Toskana zwischen Imola und Florenz, umgeben von einer bewaldeten Hügellandschaft. Da der diesjährige Austragungstermin der 30. und 31. Oktober ist, kann man es erahnen: Wenn es regnet oder geregnet hat, dann sind Matsch und Gatsch auf der Bekleidung, auf der Haut und vielleicht auch auf dem Hosenboden Programm.
Der „Trail del Cinghiale" – übersetzt also der Wildsautrail – heißt zwar so, weil es in der Gegend diese Tiere gibt, aber vielleicht ist er auch Synonym für jene, die das Ziel erreichen: Die sehen dann aus „wie eine Sau".
Aber Spaß beiseite. Der „Trail del Cinghiale" ist eine jener wunderbaren Veranstaltungen, die sich so wohltuend abheben von den ultragroßen oder großen oder mittelgroßen Events, die den Rennkalender fluten – sei es nun UTMB oder World Trail Majors oder One Hundred Trail oder wie die Serien alle heißen.
Ein kleines, kompetentes Organisationskomitee stellt das Rennen auf die Beine, und Palazzuolo verwandelt sich an diesem Wochenende in eine Trail-Hochburg mit rund tausend Läuferinnen und Läufern, die über die vier Distanzen an den Start gehen. Die 100 Kilometer beinhalten 5.091 Höhenmeter, die 50 km kommen mit 2.814 Hm daher, zudem gibt es Events über 20 km (1.040 Hm) und 35 km (1.790 Hm). Im spätherbstlichen Wald treffen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf Förster, die ein Feuer bewachen, und auf Freiwillige, die herausragend bestückte Laben betreuen – diese lassen keine Wünsche offen!
Der Zielbogen steht auf einem Podest, auf dem sich der Finisher präsentiert. Damit es ja auch alle mitbekommen, schlägt er oder sie eine Glocke an – ein Moment, der Gänsehaut pur erzeugt. Dann geht es zur Zielverpflegung, bei der nicht nur Wild – nein, kein Wildschwein – angeboten wird, sondern auch Rotwein. Der Weinbauer freut sich übrigens, wenn man wiederkommt und um ein zweites oder drittes Glas des Traubensaftes ersucht.
Und ansonsten, vor und nach dem Rennen: Italien, wie es leibt und lebt. Mit Pasta und Pizza und Bier und Wein. Und guten Gesprächen mit der Chefin des Hotel Europa, die eine Runde Wodka spendiert. Mit noch besseren Gesprächen mit anderen Trail-Enthusiasten aus Rimini, Mugello, Bologna und anderswo.
Leider hat es 2025 für mich nicht zu mehr als 35 km gereicht – in diesem Jahr sollen es deutlich mehr werden. Und übrigens: Laut Ergebnislisten waren im vorigen Oktober gerade mal zwei Österreicherinnen oder Österreicher und niemand aus Deutschland dabei. Das könnte man ändern. Wir sehen uns in Palazzuolo.
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