Das Unmögliche... machen
Michele Ufer ist Ultraläufer und promovierte Sportpsychologe, Autor des Bestsellers „Mentaltraining für Läufer“ hat nun sein nächstes Buch an den Start gebracht – und auch dieses ist ein Erfolg.
(Egon Theiner) Das Taschenbuch, 272 Seiten stark – aufgrund einer minimal zu kleiner Schrift wurde wohl die Zahl 300 nicht überschritten – kommt mit einem Titel daher, den man sich so, nun ja: nicht erwartet. Heißt es denn nicht: Das Unmögliche möglich machen? Der Denkprozess beginnt, noch ehe das Werk von Michele Ufer geöffnet wird: Na, sollte der Titel lauten: Das Unmögliche unmöglich machen? Oder: Das Unmögliche eventuell möglich machen? Nein: Das Unmögliche einfach… machen.
Der Titel ist Programm, der Untertitel – „Die schwierigsten Ultramarathons der Welt, ein Schlaganfall und mein Weg zurück ins Leben“ – stellt Michele Ufer jenen vor, die ihn möglicherweise noch nicht kennen. In diesen 13 Wörtern ist jedenfalls alles zusammengefasst, was seine Biografie und somit sein Buch ausmachen.
Im Flugzeug versammeln sich derweil immer mehr Menschen um mich. Wir sind gelandet, so viel habe ich mitbekommen, und dass ich mit einem Notarzt ins Krankenhaus gebracht werden soll. Inzwischen habe ich jedes Gefühl in den Füßen und meiner linken Körperhälfte verloren. […] Der Verdacht sei, dass ich einen Schlaganfall erlitten habe.
Michele Ufer ist 50 Jahre alt, strotzt vor Gesundheit, und erleidet einen Schlaganfall. Er ist einer, der seit zehn Jahren Ultramarathons läuft und 2011 just mit dem „Atacama Crossing“, 250 Kilometer durch die trockenste und höchstgelegene Wüste der Welt in den chilenischen Anden, mit dem Extremsport begonnen hat. Und nun erleidet er auf dem Rückflug von Chile 2022 eine lebensbedrohende Krankheit. Nicht mehr die vierte noch ausstehende Prüfung des „4 Deserts Grand Slam“ steht im Mittelpunkt, sondern das Überleben zuerst und das Zurückfinden in das normale Leben dann.
Ufer ist Vortragender und Key-Note-Speaker, er ist Psychologe und Experte und er ist ein grandioser Erzähler. Wenn er oberhalb des Dorfes San Pedro eine gute Flasche Rotwein öffnen will, oder wenn er von den hübschen Plastikkabuffs aka Dixie-Klos in der Atacama berichtet, oder wenn er mit seinem japanischen Zeltpartner Peter in Georgien Konversation betreibt, dann fühlt man sich als Leser nicht nur mitgenommen, sondern live dabei: beim Glas Rotwein, in der Schlange vor der Toilette, im Zelt mit dem Duo.
„Das Unmögliche machen“ ist ein Buch, das hin- und herspringt zwischen den Herausforderungen des Sports und Extremsports, und den Herausforderungen von jemandem, der mit einer schweren Krankheit, in Ufers Fall einem Schlaganfall, zurechtkommen muss.
Wahrscheinlich hätte Ufer ein anderes Buch lieber geschrieben, eines, in dem er die Absolvierung der vier härtesten Wüstenrennen zelebriert und analysiert und in dem er viel mehr auf all das Bezug nehmen könnte, auf was es im Extremsport und im Leben gleichermaßen ankommt: auf Träume und Ziele, Konsequenz und Training, mentale Stärke und Glaube an sich selbst.
Von Beginn an habe ich meine Reha unter das Motto #comebackstonger gestellt. Es ging mir nicht darum, wieder auf die Beine zu kommen, was für sich genommen schon anspruchsvoll war, sondern darum, an diesem Schicksalsschlag zu wachsen. Ich wollte nicht nur zurückkommen. Ich wollte stärker zurückkommen.
Doch was er zu Papier gebracht hat ist ungleich wertvoller als die nächste Heldengeschichte, von denen es vielleicht schon zu viele gibt und von denen es gleichzeitig nicht genügend geben kann. Es ist die Erzählung eines Arbeiterkindes, der mit Lesen nichts anfangen konnte und den Satz in der Schule „Was wollte der Autor womöglich damit ausdrücken?“ hasste. Es ist der Bericht von so vielen Abenteuern, die wir vielleicht auf unserer Bucket- oder Wish-List haben und die mit Atem raubenden Zeilen und Bildern aus allen Teilen der Welt uns fesseln. Und es bietet die Erklärung des „Ufer-Styles“ während dessen Reha: von Säule 1, der Haltung, bis Säule 10, der Resilienz.
In einem Tempel fühlt man sich zwischen all den Säulen zwar nicht, wenn man sich tiefversunken in diesem Buch verliert. Eine Heldengeschichte, zumindest eine Heldengeschichte, ist es allemal. Auch wenn uns der Autor im Prolog versichert, dass es keine ist.
Michele Ufer, Das Unmögliche machen
Softcover mit Umschlagklappe, 272 Seiten, reich bebildert
Erschienen im Verlag waller dengler
ISBN: 978-3-912117-00-4
Preis: € 23,-
Erhältlich im ausgewählten Buchhandel, auf den gängigen Online-Plattformen, direkt beim Verlag www.wallerdengler.de und, gerne auch mit Autogramm und/oder Widmung, bei Michele Ufer selbst: www.micheleufer.com/

