Mayers Road to LA28
Hier schreibt RUNNING & Fitness Kolumnistin Julia Mayer, Österreichs beste Marathon-Läuferin, und gibt Einblicke in ihren Weg zu den Olympischen Spielen 2028.
Viele Hobbysportler glauben, dass Fortschritt vor allem durch mehr Training entsteht. Mehr Kilometer, mehr Intervalle, mehr Druck. Ich verstehe diesen Gedanken gut. Leistung braucht Arbeit. Aber aus meiner Erfahrung entscheidet nicht nur die harte Einheit über Entwicklung, sondern vor allem das, was rundherum passiert.
Training ist nur der Reiz. Besser wird der Körper in der Erholung. Wer ständig müde in die nächste Einheit geht, sammelt zwar Kilometer, aber nicht automatisch Form. Schlaf, Ernährung, Regeneration, mentale Ruhe und ein Umfeld, in dem man abschalten kann, sind keine Nebensache. Sie sind Teil des Trainingsplans.
Ich habe selbst gelernt, dass man Leistung nicht erzwingen kann. Der Körper braucht Belastung, aber er braucht auch Vertrauen. Eine gute Vorbereitung besteht für mich nicht nur aus Tempoläufen, langen Läufen und Krafttraining. Sie besteht auch aus ruhigen Momenten, gutem Essen, Gesprächen, Natur, Wärme, Schlaf und dem Gefühl, an einem Ort wirklich ankommen zu können.
Gerade für Hobbysportler ist das wichtig. Viele trainieren neben Beruf, Familie und Alltag. Dann wird Sport schnell ein weiterer Punkt auf der To-do-Liste. Mein Tipp: Schaut nicht nur auf die nächste Einheit, sondern auf die ganze Woche! Wann esse ich ordentlich? Wann schlafe ich genug? Wann nehme ich mir Zeit für Mobilität, Stabilität oder einfach einen Spaziergang? Wann darf der Kopf einmal ruhig werden?
Oft liegt die nächste Leistungssteigerung nicht im härteren Intervall, sondern in der besseren Struktur. Ein lockerer Lauf bleibt locker. Ein Ruhetag bleibt ein Ruhetag. Eine intensive Einheit bekommt danach auch wirklich Erholung. Das klingt simpel, ist aber im Alltag oft die größte Herausforderung.
Disziplin bedeutet, auch
rechtzeitig aufzuhören
Auch Genuss gehört für mich dazu. Wer langfristig Sport machen will, muss sein Leben nicht kleiner machen. Im Gegenteil. Gutes Training soll Kraft geben, nicht alles auffressen. Ein gutes Essen, ein schöner Ort, ein entspannter Abend oder ein Moment ohne Uhr können manchmal mehr bewirken als die zusätzliche Einheit, die man nur aus schlechtem Gewissen macht.
Natürlich braucht sportlicher Erfolg Disziplin. Aber Disziplin bedeutet nicht, immer mehr zu machen. Manchmal bedeutet sie, rechtzeitig aufzuhören, bewusst zu regenerieren und dem Körper genau das zu geben, was er braucht.
Mein Zugang ist: Trainiere konsequent, aber lebe nicht gegen deinen Körper! Wer Leistung will, muss das ganze System stärken. Muskeln, Kopf, Energie, Schlaf, Ernährung und Freude. Erst wenn alles zusammenspielt, entsteht Entwicklung, die bleibt.

