Mehr als ein Trainingsplan

Österreichs beste Marathon-Läuferin Julia Mayer ist Kolumnistin von RUNNING & Fitness - sie gibt Einblicke auf ihrem Weg Richtung Olympische Spiele Los Angeles 2028.

Wenn man von außen auf den Leistungssport blickt, sieht man lediglich das Offensichtliche: Trainingskilometer, Intervalle, Wettkämpfe, Zielzeiten. Es hat den Anschein, als ginge es nur darum, härter als andere zu trainieren.

Dabei ist Training ist nur ein Teil des Ganzen. Ein wichtiger Teil, klar, aber dieser macht nicht den Unterschied aus. Denn Weltspitze entsteht nicht durch einzelne Einheiten, sondern durch Struktur.

Gerade im Marathon glauben viele ambitionierte Läufer, dass mehr Umfang automatisch mehr Leistung bedeutet. Aber je höher das Niveau wird, desto weniger geht es um mehr. Es geht vielmehr um Belastung und Entlastung, Timing der Rennen, Regeneration als aktiver Trainingsbestandteil, um Material.

Und deswegen ist Spitzensport Projektmanagement. Ein olympischer Zyklus ist kein Traum. Er ist ein mehrjähriges Projekt, in dem alles ineinandergreifen muss, von Saisonplanung bis Medienarbeit, von Trainingslagern bis Sponsorentermine. Und wenn auch nur ein Element nicht funktioniert, wirkt sich das unmittelbar auf die Leistung aus: Leistung entsteht dort, wo Chaos ausgeschlossen wird.

Das Team hinter der Leistung

Ich telefoniere mehrmals täglich mit meinem Trainer. Er kennt meine Trainingsdaten, meine Herzfrequenzvariabilität, meine Belastungswerte. Manchmal weiß er morgens anhand der Daten, wie gut ich geschlafen habe. Das ist kein Kontrollmechanismus. Das ist Präzision. Mein Umfeld sorgt dafür, dass ich mich auf das Wesentliche konzentrieren kann. Organisation, Planung, Abstimmung: Vieles passiert im Hintergrund, und dies wird oft unterschätzt. Spitzensport ist Teamarbeit.

Je länger ich auf hohem Niveau laufe, desto klarer wird mir zudem: Substanz schlägt Euphorie. Ein gutes Training fühlt sich gut an. Ein gutes System trägt dich auch dann, wenn es sich nicht gut anfühlt. Deswegen weiß ich, dass Weltspitze kein für sich alleinstehender Moment ist, sie ist die Summe aus tausenden abgestimmten Entscheidungen.

Was das für Hobbyläufer bedeutet

Auch wenn die Dimension eine andere ist, das Prinzip bleibt gleich. Nicht jede Einheit muss maximal sein, Regeneration ist kein Zeichen von Schwäche, Struktur ist wichtiger als Umfang. Wer immer langfristig besser werden will, braucht Planung. Denn wenn am Wettkampftag eine Finisher-Zeit aufleuchtet, dann sieht man nicht die Jahre an Struktur, Gesprächen, Anpassungen und Entscheidungen.

Es geht um die vielen kleinen Dingen, in denen Weltklasse und Fortschritt entstehen. Bei mir, und bei jedem, bei jeder anderen.

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